Correfoc fotografieren: Feuer, Funken, Film
Teufel, Drachen und Funkenregen in den Straßen von Barcelona – wie man den Feuerlauf erlebt und auf Film bannt, ohne Kamera oder Jacke zu verbrennen.

Es beginnt mit Trommeln. Irgendwo in der Altstadt schlagen die tabals einen Rhythmus, der einem in den Magen fährt, dann zischt die erste Rakete – und plötzlich ist die Straße voller Funken. Der Correfoc, wörtlich „Feuerlauf“, ist eines der wildesten Rituale der katalanischen Festkultur.
Was passiert beim Correfoc?
Gruppen von diables – Teufeln in Kutten mit Kapuzen – ziehen durch die Straßen und schwenken forques, lange Stangen mit Feuerwerkskörpern daran. Dazwischen rollen die bèsties de foc: Drachen, Stiere und andere Fabelwesen, die aus Maul und Hörnern Funken sprühen. Das Publikum steht nicht nur am Rand, es läuft mit, tanzt unter den Funken und weicht im letzten Moment aus.
Der größte Correfoc der Stadt gehört zur Festa de la Mercè Ende September, meist rund um die Via Laietana. Auch die Festes Majors der Viertel – etwa in Gràcia im August oder in Sants – haben ihre eigenen Feuerläufe, oft etwas kleiner und familiärer. Für Kinder gibt es eigene, sanftere Varianten.
Was man anziehen sollte
Das ist kein Detail, sondern das Wichtigste:
- Baumwolle, lange Ärmel, lange Hosen. Synthetik schmilzt bei Funkenflug und klebt auf der Haut.
- Mütze oder Tuch über den Haaren, eine Brille für die Augen.
- Feste, geschlossene Schuhe.
- Gehörschutz schadet nicht, die Böller sind laut.
Wer nur zuschauen will, bleibt in den hinteren Reihen oder an Kreuzungen, wo man sich zurückziehen kann. Die Stadt veröffentlicht vor jedem Correfoc Sicherheitshinweise und die genaue Route – ein Blick darauf lohnt sich.
Die Kamera schützen
Funken sind das eigentliche Motiv, aber auch der größte Feind der Ausrüstung:
- Eine Gegenlichtblende und ein klarer Schutzfilter vor der Frontlinse halten das Gröbste ab.
- Kein teures Objektiv riskieren – eine robuste alte Festbrennweite ist ideal.
- Die Kamera nach dem Lauf vorsichtig abpusten, Funkenasche nicht auf der Linse verreiben.
Belichtung auf Film
Ein Correfoc ist eine Szene mit extremem Kontrast: dunkle Straße, gleißende Funken, Gesichter im flackernden Licht.
- Film: ISO 800 aufwärts. Gut funktionieren Kodak Portra 800, ein auf 1600 gepushter Ilford HP5 oder CineStill 800T, dessen fehlende Lichthofschutzschicht rote Halos um die Funken legt – das passt hier perfekt.
- Messen auf die von Feuer beleuchteten Gesichter und Kostüme, nicht auf die Funken. Die dürfen ausbrennen.
- Verschlusszeit: 1/60 s friert Figuren ein und lässt Funken als kurze Striche stehen. Mit 1/15 s werden die Funkenbahnen länger und die Bewegung malerischer.
- Blende so weit offen wie möglich und lieber eine Stufe überbelichten – Negativfilm verzeiht das, Unterbelichtung nicht.
Nicht jedes Bild wird scharf. Gerade das macht den Reiz aus: Auf einem guten Correfoc-Film sieht man den Lärm fast.
Mitlaufen, nicht im Weg stehen
Die Gruppen laufen eine festgelegte Strecke und brauchen Platz. Wer fotografiert, sollte nicht mitten in der Laufbahn stehen bleiben und keinen Blitz direkt in die Gesichter der Teufel feuern. Am schönsten sind die Bilder ohnehin aus der Menge heraus – mittendrin, mit Funken im Bild.