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Die Milchstraße auf Film

Warum lange Belichtungen auf Film anders funktionieren als digital – und wie man trotzdem zu einem Bild der Milchstraße kommt.

Gerasterter Sternenhimmel mit dem Band der Milchstraße

Digital ist die Milchstraße fast schon ein Standardmotiv: 20 Sekunden, ISO 3200, fertig. Auf Film ist sie eine echte Herausforderung – und genau deshalb so reizvoll.

Wann und wo

  • Das helle Zentrum der Milchstraße ist von der Nordhalbkugel aus etwa von März bis Oktober zu sehen, am besten von Juni bis August am späten Abend.
  • Von Barcelona aus steht es nie hoch: Auf gut 41° nördlicher Breite erreicht das galaktische Zentrum nur rund 20° über dem Südhorizont. Ein freier Blick nach Süden ist deshalb wichtig.
  • Neumond und ein wirklich dunkler Ort – siehe Dunkle Orte rund um Barcelona.

Das Problem: der Schwarzschild-Effekt

Bei sehr langen Belichtungen reagiert Film weniger empfindlich, als seine ISO-Zahl verspricht. Dieser Reziprozitätsfehler oder Schwarzschild-Effekt bedeutet: Wenn der Belichtungsmesser 30 Sekunden sagt, braucht der Film deutlich länger.

Ilford gibt dafür eine Formel an: korrigierte Zeit = gemessene Zeitp. Für HP5 Plus liegt p bei etwa 1,31. Aus gemessenen 30 Sekunden werden so rund 86 Sekunden. Andere Hersteller veröffentlichen Tabellen – ein Blick ins Datenblatt des jeweiligen Films lohnt sich.

Diafilme wie Fujichrome Provia 100F sind berühmt dafür, dass sie bis zu etwa zwei Minuten kaum Korrektur brauchen – dafür sind sie mit ISO 100 langsam.

Was das in der Praxis heißt

Rechnen wir grob: Digital wären ISO 3200, f/2.8 und 20 Sekunden ein typischer Startwert. Mit einem ISO-400-Film fehlen drei Blendenstufen – das wären 160 Sekunden, und mit Schwarzschild-Korrektur eher 10 bis 13 Minuten. In dieser Zeit ziehen die Sterne längst zu Strichen.

Daraus ergeben sich drei Wege:

  1. Strichspuren akzeptieren: lange belichten, die Erddrehung zeichnen lassen. Das ist kein Fehler, sondern ein eigener Bildstil.
  2. Nachführung: Eine kleine astronomische Montierung (Star Tracker) dreht die Kamera mit dem Himmel mit. Dann sind auch 10 Minuten mit punktförmigen Sternen möglich – der Vordergrund verwischt dafür.
  3. Schneller Film und lichtstarkes Objektiv: Ilford Delta 3200 oder ein gepushter HP5 an einem Objektiv mit f/2 oder heller verkürzen die Zeit deutlich.

Ausrüstung

  • Eine Kamera mit Bulb-Modus und ein Drahtauslöser mit Feststellung.
  • Ein stabiles Stativ – bei Minuten-Belichtungen zählt jede Erschütterung.
  • Ein Weitwinkel zwischen 20 und 35 mm.
  • Eine Rotlichtlampe, Ersatzbatterien und viel Geduld.

Beim Entwickeln

Dem Labor sagen, dass Nachtaufnahmen auf dem Film sind – und ob gepusht wurde. Sehr dünne Negative werden sonst beim Schneiden leicht übersehen, genau wie beim Mond auf Film.

Das erste Milchstraßen-Negativ ist meistens enttäuschend dünn. Das dritte wird besser. Und irgendwann hält man ein Bild in der Hand, auf dem Licht festgehalten ist, das zehntausende Jahre unterwegs war – auf einem Stück Film.